Das Wichtigste in Kürze
- Der Sinus pilonidalis (Steißbeinfistel) ist eine chronische Entzündung im Bereich der Gesäßfalte.
- Häufige Ursachen: eingewachsene Haare, mechanische Reizung, schwitzige Haut.
- Typische Symptome: Schmerzen, Rötung, Abszessbildung, eitrige Sekretion.
- Therapieoptionen reichen von konservativen Maßnahmen bis zu minimal-invasiver oder chirurgischer Entfernung.
- Mit Hygiene, Gewichtsreduktion und Hautpflege lässt sich das Risiko verringern.
Fünf Tipps gegen Steißbeinfisteln
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Haarentfernung (Laser).
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Hygiene: tägliches Reinigen und Trocknen der Gesäßfalte.
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Gewichtsmanagement: Vermeidung von Übergewicht.
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Bewegung: Langes Sitzen vermeiden, Pausen einlegen.
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Atmungsaktive Kleidung tragen, um Schwitzen zu reduzieren.
1. Was ist ein Sinus pilonidalis?
Der Sinus pilonidalis – umgangssprachlich „Steißbeinfistel“ – ist eine chronische Entzündung im Bereich der Gesäßfalte (Rima ani). Es bilden sich Hautgänge (Fisteln), die durch eingewachsene Haare oder wiederkehrende Infektionen entstehen.
👉 Männer zwischen 15 und 35 Jahren sind besonders betroffen, da dichter Haarwuchs, Schweiß und langes Sitzen Risikofaktoren darstellen.
2. Ursachen & Risikofaktoren
Die genauen Ursachen sind multifaktoriell. Am häufigsten spielen folgende Faktoren eine Rolle:
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Eingewachsene Haare: Hauptursache – Haare bohren sich in die Haut und führen zu einer Entzündung.
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Mechanische Belastung: Langes Sitzen, Reibung durch Kleidung.
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Übergewicht: Verstärkte Hautfalten begünstigen das Problem.
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Schwitzen & mangelnde Belüftung: Feucht-warmes Milieu in der Gesäßfalte.
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Genetische Prädisposition: Familiäre Häufung beschrieben.
📖 Studie: Laut Stauffer et al. 2018 (PubMed) liegt die Inzidenz bei 26 pro 100.000 Einwohner, Männer sind 3× häufiger betroffen als Frauen.
3. Symptome & Beschwerden
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Schmerzen im Bereich des Steißbeins, besonders beim Sitzen
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Rötung und Schwellung
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Austreten von Eiter oder Blut
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Abszessbildung (akute Form)
- Chronische Fistelgänge mit wiederkehrenden Entzündungen
4. Diagnose
Die Diagnose wird klinisch durch den Arzt/Ärztin gestellt:
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Inspektion der Gesäßfalte zeigt kleine Hautöffnungen („Pits“).
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Palpation kann Fistelgänge und Abszesse sichtbar machen.
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Bildgebung (Ultraschall, MRT) nur bei komplizierten Verläufen notwendig.
5. Behandlungsmöglichkeiten
5.1 Konservative Maßnahmen
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Rasur / Laser-Haarentfernung im betroffenen Areal zur Prävention.
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Hygienemaßnahmen: tägliches Reinigen und Trocknen.
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Abwarten möglich bei kleinen, symptomlosen Fisteln.
5.2 Minimal-invasive Therapien
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Pit-Picking (Bascom-Verfahren): Entfernung der Haarreste durch kleine Schnitte, minimaler Wundschaden.
- Lasertherapie (FiLaC®): Der Fistelgang wird von innen mit Laserenergie verschlossen. Schonend und mit geringen Rückfallraten.
- Endoskopische Behandlung (EPSiT-Verfahren): Mit Endoskop wird der Fistelgang von innen entfernt.
👉 Studien zeigen, dass minimal-invasive Verfahren schnellere Heilung und weniger Schmerzen bieten, allerdings etwas höhere Rezidivraten【Stauffer et al. 2018†PubMed】
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5.3 Chirurgische Verfahren
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Exzision mit offener Wundheilung (klassisch, längste Heilungszeit).
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Exzision mit Verschlussplastik (Karydakis-, Limberg-Lappenplastik) → geringere Rezidivraten, kosmetisch besser.
📖 Evidenz: Eine Cochrane-Analyse (Al-Khamis et al. 2010) zeigt, dass Lappenplastiken signifikant niedrigere Rezidivraten als offene Exzision aufweisen.
6. Ernährung & Lebensstil
Ernährung ist nicht die Hauptursache, kann aber Heilung und Rezidivvermeidung beeinflussen:
Empfehlenswert:
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Ballaststoffreiche Ernährung (Vermeidung von Verstopfung und starkem Pressen).
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Antientzündliche Lebensmittel: Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Leinsamen), Obst, Gemüse.
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Ausreichend Flüssigkeit.
Meiden:
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Stark verarbeitete Lebensmittel (Fertigprodukte, Zucker, Transfette).
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Übermäßiges tierisches Fett.
7. Alternative & ergänzende Methoden
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Laser-Haarentfernung: Reduziert Rückfallrisiko signifikant.
Die bislang beste Evidenz ist eine randomisierte klinische Studie von Minneci et al., JAMA Surgery (2024). Darin wurden 302 Jugendliche/junge Erwachsene mit Sinus pilonidalis randomisiert: Standardpflege mit Laser-Epilation vs. Standardpflege ohne Laser. Nach 12 Monaten lag die Rezidivrate signifikant niedriger in der Laser-Gruppe (ca. 10 %vs. 33 %; absolute Differenz −23,2 Prozentpunkte, p<0,001).
Minneci PC et al. JAMA Surg. 2024;159(1):19-27.
Zur Untermauerung: Eine systematische Review/Meta-Analyse (2024) fand über drei RCTs hinweg ebenfalls eine signifikante Rezidivreduktion durch Laser-Epilation (Odds Ratio ≈ 0,32). Muscat N et al. Cureus 2024 (Meta-Analyse).
- Naturheilkundliche Unterstützung: Sitzbäder mit Kamille oder Tanninen (symptomlindernd, aber nicht heilend).
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Probiotika & Vitamine: Keine klare Evidenz, aber teils in der Wundheilung unterstützend.
8. Häufige Fragen (FAQ)
Wie gefährlich ist ein Sinus pilonidalis?
Nicht lebensbedrohlich, aber unbehandelt kann er chronische Schmerzen und Abszesse verursachen.
Kann ein Sinus pilonidalis von selbst verschwinden?
Sehr selten – meist bleibt er bestehen oder verschlimmert sich.
Wie lange dauert die Heilung nach OP?
Je nach Verfahren: von wenigen Wochen (minimal-invasiv) bis zu mehreren Monaten (offene Wundheilung).
Ist Laser-Haarentfernung sinnvoll?
Ja, Studien zeigen eine deutliche Reduktion der Rezidive.
Fazit
Der Sinus pilonidalis ist eine schmerzhafte, aber gut behandelbare Erkrankung. Dank moderner minimal-invasiver Verfahren wie Pit-Picking oder Lasertherapie lassen sich lange Ausfallzeiten und große Wunden häufig vermeiden.
Betroffene sollten frühzeitig ein spezialisiertes Zentrum aufsuchen.
Quellen und weitere Literatur
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AWMF S3-Leitlinie: „Sinus pilonidalis“ (2020), AWMF Leitlinienregister
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Petersen S. et al. „Current treatment of pilonidal sinus disease.“ Dtsch Arztebl Int 2019; 116(1–2): 12–21.
- Stauffer V.K. et al. „The treatment of pilonidal sinus disease.“ Scientific Reports 2018; 8: 305.
- Stauffer VK, et al. Endoscopic treatment of pilonidal sinus: long-term follow-up and recurrence rate. Dis Colon Rectum. 2018. PubMed
- Al-Khamis A, et al. Healing by primary closure versus open healing after surgery for pilonidal sinus: systematic review and meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2010.